Der Dalmatiner
von Simone Zollinger
Geschichtlicher Rückblick
Um die Herkunft der Dalmatiner wurden etliche vermutete
Theorien, belegendes Bildmaterial und Spekulationen festgehalten
und überliefert. Dass diese kurzhaarige, hellfarbige Rasse aus
einem warmen Land stammt, ist sicher wahrscheinlich. Denn, als vor
einigen zehntausend Jahren die Entwicklung zum domestizierten Hund
begann, veränderte sich das Verhalten der Caniden allmählich durch
Selektions"zucht" auf erwünschte Eigenschaften in Bezug auf den
jeweiligen Gebrauch der Hunde. Aber auch ihr äusseres
Erscheinungsbild änderte sich: einige hatten Schlappohren, es gab
unterschiedliche Rutenformen, das Fell wurde zum Teil gefleckt oder
gescheckt und je nach klimatischem Lebensraum lang- oder
kurzhaarig.
Tatsache ist, dass bereits in Pharaonengräbern im alten Ägypten
Fresken gefunden wurden, auf welchen getupfte, dalmatinerähnliche
Hunde abgebildet sind. Seit dem frühen Altertum wurden auf Gemälden
immer wieder weisse Hunde mit Tupfenmuster dargestellt, die den
heutigen Vorstellungen des Dalmatinertyps stark entsprachen:
elegante, substanzvolle Jagd-, Begleit- und Gesellschaftshunde. Das
wohl älteste Gemälde finden wir in der Capella della Spagnoli in
Florenz. Es entstand ca. 1360 und zeigt ein Rudel Wölfe, das von
dalmatinerähnlichen Hunden angegriffen wird.
Diverse Forscher und Autoren hatten unterschiedliche
Auffassungen über den Ursprung des Dalmatiners, erwähnt werden
unter anderem der Orient, Indien, Italien, Frankreich und Dalmatien
(hier wurde er zum heutigen Erscheinungsbild hingezüchtet).
So vielfältig wie die Herkunftstheorien dieser Rasse sind, waren
auch ihre Namen im Laufe der Jahrhunderte: Ägyptischer Hund,
Indischer Hund, Türkischer Hund, Bengalische Bracke, Kleine
Dänische Dogge. Es ist nicht vollständig klar, warum die Hunde
schliesslich Dalmatiner genannt wurden. Möglich wäre folgende
Geschichte: 1573 erhielt der serbische Dichter "Jurij Dalmatin"
(vermutlich weist sein Name darauf hin, dass er in Dalmatien
beheimatet war) mehrere getupfte Hunde als Geschenk. In einem Brief
erwähnt er, die Hunde seien in Serbien sehr begehrt und bekannt
unter seinem Namen "Dalmatins".
1791 wurde im Buch "Hystory of Quadrupeds" von Thomas Bewick
erstmals der bildlich dargestellte Tupfenhund "Dalmatinischer Hund"
genannt. Später (1881) wurde der Dalmatiner oder "Coach Dog"
(Wagenhund) in einem ganzen Kapitel des Buches "Das illustrierte
Buch vom Hunde" beschrieben. Der Verfasser Wero Shaw stellte den
ersten Rasse-Standard auf, der nach der Gründung des "British
Dalmatian Club" (1890) in England offiziell ausgeschrieben und vom
Kennel Club anerkannt wurde. Von nun an richtete sich die Zucht
nach dem einheitlichen Vorbild des Standards.
Der Dalmatiner war immer ein Hund, der "dabei" war, sich frei
und unermüdlich bewegte; ganz früher als Jagdbegleiter, dann vor
allem als Kutschenhund. Bereits um 1700 erwähnte der französische
Naturforscher "Buffon" die "Danois de Carosse". Die Hunde lebten im
Stall bei den Pferden und wurden dazu abgerichtet, als Begleiter
freiunterder Kutsche mitzulaufen.
Da früher bei der Feuerwehr die Schlauch- und Pumpenwagen von
Pferden gezogen wurden, hatten Dalmatiner vor allem in Amerika
einen weiteren Aufgabenbereich: Sie bewachten die Stallungen und
rannten bei Löscheinsätzen den Wagen bellend voran als vierbeinige
"Sirenen", um den Weg frei zu halten. Nach der Motorisierung der
Feuerwehr wurde der Dalmatiner zu deren Maskottchen erkoren und
durfte per Auto zur Brandstätte mitfahren.
In der schwierigen Zeit vom ersten bis zum zweiten Weltkrieg
schwand die Zahl der Dalmatiner beängstigend, und da man mit dem
Aufkommen des Autos für ihn als Kutschenhund keine Verwendung mehr
sah, schien das Verschwinden der Rasse besiegelt. Dank engagierten
Züchtern, vor allem in England, sind uns die "Getupften" erhalten
geblieben.
Entwicklung in der Schweiz
Den erstmaligen Eintrag eines Dalmatiners im Schweizerischen
Hundestammbuch (SHSB) findet man im Band III. Es war ein Rüde
namens "Tiger II", von der Beschreibung her ein dreifarbiger
Dalmatiner ("weiss-schwarz mit rotgelben Tupfen an den Füssen und
im Gesicht" - dies gilt nach dem heutigen Rassenstandard als
Zuchtausschluss), dessen Züchter Oskar Mösch in Teufen wohnte. Je 1
Rüde und 1 Hündin verzeichnet Band V. Die Hündin stammte von Herrn
Häseli, einem Züchter aus Rheinfelden. Es wurden drei von ihm
gezüchtete Hunde in spätere SHSB-Bände eingetragen. Regelmässige
Einträge ins SHSB erfolgten erst ab Band XXVII. Darin wurde auch
der erste Dalmatinerwurf (8 Welpen) von Helen Nelly Frey unter dem
Zuchtnamen "vom Meggenhorn" eingetragen. Sie lebte in Meggen,
später in Rümlang. Ihre ersten Zuchthunde stammten aus England: der
Rüde "Lord Scamperdale" (Züchter: Mr. Braxtone, GB) und die Hündin
"Girl Guide of the Jays" (Züchterin Miss Byron, GB).
Nach dem Höchststand der Eintragungen in Band 73 mit 278
Dalmatinern, bewegten sich die Zahlen um 100 Hunde pro Jahr. Dies
ist auch heute noch so: In rund 18 kontrollierten Zuchtstätten
werden pro Jahr rund 100 Welpen aufgezogen, dazu kommen ab und zu
registrierte Importhunde aus FCI-anerkannten Zuchten.
Der Dalmatiner und die Tüpfelung
Der FCI-Standard Nr. 153 umschreibt den typvollen Dalmatiner wie
folgt:
"Ein auffällig getupfter, starker, muskulöser und lebhafter
Hund. Er ist symmetrisch in seinen Umrissen, frei von Grobheit und
Schwerfälligkeit und fähig, mit grosser Ausdauer schnell zu
laufen".
Es ist ein herrliches Bild, einen substanzvollen Dalmatiner in
der Bewegung zu beobachten, sein schubvolles Laufen vereint
Schönheit und Eleganz. Was dem Liebhaber der Rasse aber als schön
und vor allem speziell ins Auge sticht, ist sicher die
Fellzeichnung - sie macht aus jedem Dalmatiner ein Unikat.
Alle Dalmatinerwelpen werden weiss geboren. Sind sie von der
Geburt noch nass, können vereinzelt kleine Tupfen, vor allem an
Kopf und Ohren, von erfahrenen Züchtern als schwarz oder braun
erkannt werden. Sehr gut sichtbar hingegen sind bei neugeborenen
Dalmatinern grössere Farbflächen, vor allem am Kopf, an den Ohren
oder um die Augen, eher selten an anderen Körperregionen. Man nennt
diese (zuchtausschliessenden) Pigmentansammlungen "Platten" oder
"Monokel"; sie können bei allen Farbschlägen (weiss-schwarz,
weiss-braun, lemon oder orange) vorkommen. Im Alter von 2 ½ bis 3
Wochen haben sich gut erkennbare schwarze oder braune Tupfen
entwickelt. Am meisten verbreitet ist der weiss-schwarze Typ mit
schwarzer Nase, aber auch die weiss-braunen ("havannabraun") Dalmis
mit brauner Nase und helleren Augen haben ihre Liebhaber. Beide
Farbtypen sind vom offiziellen Standard zugelassen. Wie die
Farbenvererbung zustande kommt, beruht auf dem Mendelschen Gesetz.
Dieses ist recht kompliziert, daher werden nachfolgend nur einige
sachbezogene Grundregeln festgehalten: Es gibt schwarzgetupfte
reinerbige Dalmatiner, die immer nur schwarzgetupfte
Welpen bekommen, und schwarzgetupfte mischerbige
Dalmatiner, die mit einem ebenfalls mischerbigen Partner
mischerbige schwarze und/oder braune, sowie reinerbig schwarze
Nachkommen haben können. Braungetupfte Dalmatiner sind immer
reinerbig, braune Elterntiere können daher nur braune Welpen
bringen.
Der dritte, sehr seltene und zuchtausschliessende Farbschlag ist
die "lemon-" und "orangefarbige" Tüpfelung. Verantwortlich dafür
ist die Genserie E/e und es müssen beide Elterntiere Träger dieser
Erbanlage sein, damit so genannte Lemon-Welpen fallen. Diese werden
in "schwarznasige" und "braunnasige" Lemons eingeteilt, da der
rezessive Erbfaktor eine Aufhellung des Haarpigments der
ursprünglichen Erbanlage für schwarz- oder braun-getupft bewirkt.
In den USA und Australien kann mittels einer DNA-Analyse
(Speichelprobe) festgestellt werden, ob ein Dalmatiner Träger des
e-Gens ist. Obwohl der Lemon- oder Orange-Dalmi ein vollwertiger
Dalmatiner ist, ist diese Farbvariante nicht erwünscht, da sie dem
Standard entsprechend das rassetypische Erscheinungsbild
verfälscht.
Beim Auftreten zuchtausschliessender Farbfehler wird das immer
noch vorhandene Gen diverser Rassevorfahren des Dalmatiners
sichtbar: Der englische Pointer in Bezug auf Plattenzeichnungen
sowie "lemon" und "orange", letzteres auch in Verbindung mit den
Rassen "Porcelaine" und "Istrische Bracke". Früher waren auch
dreifarbige Dalmatiner verbreitet, mit orange-braunen Tupfen, auch
"tan" genannt, beim schwarzen wie auch dem braunen Farbschlag.
Diese unerwünschte Erscheinung konnte weitgehend weggezüchtet
werden.
Verhalten und Charakter (Wesen)
Durch die einmalige Fellzeichnung (nur beim Dalmatiner sind die
farbigen Tupfen frei von weissen Stichelhaaren oder weissen
Haarbüscheln), den harmonischen Körperbau und die raumgreifenden,
eleganten Bewegungen gilt der Dalmatiner sicher bei vielen Menschen
als "schöner Hund". Bei artgerechter Aufzucht und schrittweiser
Sozialisierung in das zivilisierte Umfeld ist der Dalmatiner
freundlich, weder scheu noch aggressiv, sehr lebhaft, aber nicht
nervös.Aber:diese Rasse ist auch sehr anspruchsvoll. Dies bezieht
sich auf deren Ursprung und die heutigen Möglichkeiten, dem
genetisch verankerten Verhalten gerecht zu werden. Niemand sollte
sich einen Dalmatiner nur aufgrund der oben erwähnten positiven
Aspekte anschaffen. In der heutigen Gesellschaft ist es vor allem
für Hunde mit urtümlichem rassetypischem Verhalten wie dem
Dalmatiner nicht immer einfach, sich uns und den gegebenen
Lebensumständen anzupassen. Deshalb müssen wir uns auch ihm
anpassen, das heisst, wir müssen uns vor Augen halten, wofür die
Getupften durch all die Jahrhunderte gebraucht und wie sie gehalten
wurden. Der Dalmatiner war bei seinen Besitzern immer "mit dabei",
bewachte selbstständig alles ihm anvertraute und begleitete ebenso
selbstständig die Pferdekutschen. Es ging niemand hinter oder neben
ihm, um ihm mittels einer Leine die Richtung anzugeben - er lief
einfach unermüdlich mit seinem Rudel, den Menschen und Pferden,
egal wie weit die Strecke war.
Dies bedeutet für die heutigen Dalmatinerhalter: der ruhige,
anschmiegsame Hausgenosse tritt mit uns zum Spaziergang vor die Tür
- und dann "läufts"! Das oft gehörte Argument ist aber falsch:
"alle Dalmis ziehen an der Leine und haben einen sturen
Dickschädel". Richtig ist aber: in gewissen Situationen "gehen mit
ihm die Gene durch"! Diese können nicht wegdressiert oder gar mit
harten Erziehungsmethoden und Hilfsmitteln unterdrückt werden, auch
wenn selbst erfahrene Hundehalter mit einem Dalmatiner an ihre
Grenzen stossen können (kynologisch und auch nervlich)!
Vielmehr ist die Voraussetzung für ein glückliches "Leben" mit
einem Dalmatiner: Rasse-"Verständnis", von Anfang an Erziehung mit
liebevoller Konsequenz, die bereits durch den seriösen Züchter
geprägte Bindung an den Menschen weiter ausbauen und sich bewusst
sein, dass tägliches freies Bewegen auf Spaziergängen bei jedem
Wetter ein "Muss" ist. Dies ein ganzes Dalmileben lang - und über
14-jährige Dalmatiner sind keine Seltenheit!
Dabei sein ist alles!
Trotz seines selbstständigen Auftretens ist der Dalmatiner ein
sensibler = feinfühliger Hund. Er braucht seine Familie, möchte
stets bei ihr sein, spürt, wenn es ihr nicht gut geht und würde
weggesperrt (z.B. in einem Zwinger) verkümmern. Er fährt gerne im
Auto mit, läuft neben dem Fahrrad oder seinem joggenden Zweibeiner.
Wer die Möglichkeit hat, einen Dalmatiner mit sehr gutem
Grundgehorsam als Reitbegleithund mitzunehmen, macht ihm bestimmt
eine ganz besondere Freude, denn seine Verbundenheit mit Pferden
ist unverkennbar. Auch Dalmatiner, die nicht nahen Kontakt zu ihnen
haben, wollen bei Begegnungen mit Pferden diese wie gute
altbekannte Kollegen begrüssen.
Hundesportliche Aktivitäten sind auch mit den Getupften möglich:
sie sind begeisterungsfähig, arbeitsfreudig, intelligent und somit
für verschiedene Sparten geeignet wie Agility, Mobility, Begleit-,
Sanitäts-, Fährten- und Katastrophenhund. Nur: Für den Schutzdienst
oder für Hundehalter, die von ihrem Vierbeiner "Kadavergehorsam"
verlangen, ist der Dalmatiner sicher nicht die geeignete Rasse.
Sein Haarkleid ist sehr pflegeleicht
An sich ist der Dalmatiner wie er aussieht: makellos sauber,
nach dem Umhertollen in der Natur nie lange schmutzig, denn
irgendwie sind diese Hunde "selbstreinigend": Wenn wir die gröbsten
Spuren mittels eines feuchten Tuches oder, wenn sie angetrocknet
sind, durch Bürsten beseitigt haben, putzt sich der Dalmi intensiv
wie eine Katze und nach kurzer Zeit ist sein Fell trocken und
dessen Grundfarbe wieder ein reines weiss. Er "hündelet" kaum, da
er keine Unterwolle besitzt und so beschränkt sich die Fellpflege
auf ein kurzes, tägliches Bürsten (keine Drahtbürste, sondern
Naturborsten). Ein Gummistriegel oder Noppenhandschuh eignet sich
am besten, um die ausgefallenen Haare aus dem Fell zu entfernen.
Dies ist ein wichtiger Punkt, denn auch der Dalmatiner verliert vor
allem im Haarwechsel (Frühling und Herbst), sowie etwas weniger das
ganze Jahr hindurch Haare. Da diese kurz, borstig und weiss sind,
stecken sie sichtbar in Polstermöbeln, Teppichen und Kleidern - man
sollte sich daher nie von einem Dalmi "hautnah" verabschieden, wenn
man in sauberer, dunkler Kleidung weggehen will!
Darf sich ein Dalmi bei den täglichen, ausgedehnten
Spaziergängen vorwiegend auf Naturboden bewegen, nutzen sich seine
Krallen nicht stark ab und sollten bei Bedarf mittels einer
speziellen Krallenzange gekürzt werden. Sonst ist ein normales
Auffussen nicht mehr möglich und die Pfoten werden breit und weit.
Auch die Ohren müssen regelmässig kontrolliert werden, denn sonst
können eventuelle Infektionen oder Ohrmilbenbefall nicht
rechtzeitig erkannt werden, da die Behänge beim Dalmatiner ja den
Gehörgang verdecken. Bei ungewöhnlichem Geruch im Ohr, Rötung der
Ohrmuschel oder häufigem Schütteln des Kopfes sollte der Tierarzt
um Rat gefragt werden.
Wie steht es mit rassespezifischen Krankheiten?
Jeder Rasse werden in Fachbüchern und -zeitschriften oder auch
als Volksmeinung durch "Hören - Sagen" rassetypische Krankheiten
zugeordnet, viele davon können aber auch verschiedene Hunderassen
betreffen, sind also nicht nur mit einer Rasse in Verbindung zu
bringen. Die "Ergänzenden Zucht- und Körbestimmungen" (EZB) des
Schweizerischen Dalmatinerclubs (SDC) reglementieren unter anderem
züchterische Massnahmen, um bekannte Krankheiten beim Dalmatiner
einzuschränken. Bezogen auf eines der Hauptkriterien im Standard,
die "Fähigkeit, mit grosser Ausdauer schnell zu laufen", wird für
jeden Dalmatiner, der für die Zucht vorgesehen ist, eine
Hüftgelenkskontrolle (HD-Röntgen) vorgeschrieben, deren Auswertung
höchstens HD-B ergeben darf. Massgebend für die Klassierung ist
immer die schlechtere Gelenkseite.
Die vererbte Taubheit bei einigen Hunderassen mit weissen
Abzeichen oder weisser Fellfarbe ist auch beim Dalmatiner bekannt.
Daher ist laut EZB des SDC für alle im Schweizerischen
Hundestammbuch (SHSB) eingetragenen Welpen vor deren Abgabe an die
neuen Besitzer, aber nicht vor der 6. Woche, ein Gehörtest
(audiometrische Untersuchung) obligatorisch. Dieser erfolgt mittels
einem speziellen Apparat durch einen entsprechend ausgebildeten
Tierarzt. Einseitig hörende Tiere sind vollwertige Familienhunde,
werden aber nicht zur Zucht zugelassen. Seit Zuchttiere und Würfe
audiometrisch untersucht werden, konnte festgestellt werden, dass
die Zahl der von Taubheit betroffenen Dalmatinern rückläufig ist,
da die vom SDC betreuten Züchter ihre Zuchttiere nur mit getesteten
Partnern paaren dürfen und diesbezüglich auch deren
Abstammungslinien kennen.
Eine Stoffwechsel-Eigentümlichkeit kann, wie beim Menschen, beim
Dalmatiner zu Nieren- und Blasensteinen führen. Geeignetes Futter
mit einem niedrigen Puringehalt (Purin = eine Eiweissart) kann der
Steinbildung entgegenwirken.
Dass ein Dalmatiner gesund ist, hat weitgehend auch der Züchter
in der Hand: er züchtet mit Hunden, die eine gesunde Abstammung
haben und zieht seine Welpen mit grösster Sorgfalt auf. Mit diesen
Voraussetzungen werden viele Dalmatiner sehr alt - 14- bis
15-jährige Hunde sind bei dieser Rasse keine Seltenheit!
Aufgaben des Züchters
Mit den "Ergänzenden Zucht- und Körbestimmungen" des SDC wird
die Reinzucht von Dalmatinern in der Schweiz geregelt. Dieses
Reglement berücksichtigt den Rassestandard der FCI Nr. 153 und das
Wesen der Rasse. Verbindlich ist das Eintragungsreglement der
SKG.
Für alle im SHSB eingetragenen Dalmatiner, die zur Zucht
verwendet werden sollen, ist eine bestandene Ankörung
obligatorisch. Diese besteht erstens aus einerFormwertbeurteilung:
Der Hund muss im äusseren Erscheinungsbild (Exterieur) dem
Rassestandard FCI Nr. 153 in hohem Masse entsprechen. Zweitens wird
eineWesensbeurteilungvorgenommen. Diese wird in friedlicher
Situation durchgeführt, der Vierbeiner trifft auf einen gestellten
Parcours mit Hindernissen, wird mit akustischen Reizen und fremden
Personen konfrontiert, dies alles unangeleint und in Begleitung
seiner Bezugsperson. Keinesfalls darf sich ein Dalmatiner bei
dieser Prüfung aggressiv, nervös, ängstlich oder nicht belastbar
zeigen. Diese rasse-untypischen Wesensmerkmale wären
unverantwortlich für die Dalmatinerzucht.
Das Zucht-Mindestalter für Rüden beträgt 18 Monate, für
Hündinnen 20 Monate. Bei Hündinnen ist die oberste Zuchtgrenze bei
8 Jahren. Es darf pro Kalenderjahr mit einer Hündin höchstens ein
Wurf gezüchtet werden.
Die obligatorische Wurf- und Zuchtstättenkontrolle erfolgt durch
den Zuchtwart, in der Regel wenn die Welpen das Alter von ca. 8½
Wochen erreicht haben und sie gekennzeichnet, geimpft und
audiometrisch getestet sind. Ihre Abgabe an die Käufer erfolgt
frühestens im Alter von 9 - 10 Wochen. Welpen mit
zuchtausschliessenden Farbfehlern oder einseitig hörende werden vom
seriösen Züchter zu einem reduzierten Preis verkauft. Züchter,
welche das "Goldene Gütezeichen" der SKG haben, werden zusätzlich
auch von Kontrolleuren der SKG überprüft.
Dies sind in groben Zügen die Anforderungen an die
Dalmatinerzüchter, die den Reglementen der SKG und des SDC
unterstehen. Es ist daraus sicher ersichtlich, dass etliche
Investitionen in zeitlicher und finanzieller Hinsicht zu tragen
sind. Dass diese Aufgaben von den Züchtern bereitwillig erfüllt
werden, setzt sie daher ganz deutlich von den "Billiganbietern" für
Dalmatiner ab, deren Haltung, Aufzucht und Abstammung der
Zuchthunde nicht kontrollierbar sind.
Züchten heisst: "Erhalten der rassetypischen Merkmale" und der
seriöse Hundezüchter übernimmt damit eine grosse Verantwortung. Er
sucht sich die Elterntiere für seine Zucht sorgfältig aus, zieht
die Welpen optimal auf, indem er für sie da ist (manchmal rund um
die Uhr) und ihnen je nach Alterstufe möglichst viel zeigt und
beibringt: Fremde Personen, freundliche Kinder, andere Tiere,
verschiedene Geräusche. Diese Welpen kennen Halsband, Leine und
Autofahren, dies nicht nur verbunden mit dem Gang zum Tierarzt für
die Impfungen, sondern auch für kleine Ausflüge in fremde
Umgebungen. Der Welpenkäufer wird bei der Wahl des neuen
Familienmitgliedes beraten, denn der Züchter kennt die
unterschiedlichen Charaktere seines Wurfes.
Die heutige Dalmatinerzucht ist auf einen Familien-Begleithund
ausgerichtet und obwohl viele Dalmis erfolgreich an Ausstellungen
teilnehmen, gibt es keine sogenannten Show-Linien.
Ob man sich für einen Rüden oder eine Hündin entschliesst, kommt
auf den künftigen Besitzer an. Will man mit dem Hund arbeiten,
fällt die Hündin eventuell zwei Mal im Jahr wegen der Läufigkeit
aus. Der Rüde ist genauso anhänglich und verschmust wie die Hündin,
ist aber durch seine Kraft und sein "Machogehabe" stärker, braucht
klar gesetzte Grenzen, die er vor allem in der Pubertät ab und zu
wieder hinterfragt.
Alle, die einen Dalmatiner kennen, wissen: er kann "lachen": Er
zieht seine Nase kraus, die Lefzen zurück und "grinst" uns mit
leuchtenden Augen an!
Ich wünsche mir, dass unseren Getupften nie das Lachen vergeht,
weil sie als schönes Prestigeobjekt gehalten werden, sondern dass
er für seine Liebenswürdigkeit und Urtümlichkeit geliebt und auch
verstanden wird.
Simone Zollinger, Zuchtwartin des SDC
Bericht erschienen im Schweizer Hunde Magazin Nr 3 / 2005 und in
der Zeitschrift WUFF Nr. 2 / 2010. Diese beiden reich
bebilderten Ausgaben können Sie bei uns beziehen, siehe Seite
"Literatur".
Gerne senden wir Ihnen gratis unser Dalmatiner-Kurzporträt, welches in Kurzform
alle wissenswerten Angaben über diese Rasse und über den Club
enthält, sowie ein Exemplar unserer Clubzeitschrift "Dalmatiner
Revue" zu.
Bestellen Sie diese Broschüren unter Angabe Ihrer Postadresse
bei
Schweizerischer Dalmatiner Club (SDC)
Welpenvermittlung + Beratung:
Simone Zollinger, Zuchtwartin
Bachweg 9, CH-5028 Ueken
Tel. +41 62 871 38 26
E-Mail: zollinger@dalmatiner.ch